Landwirtschaftlicher Lokalverein. (Pierre Leyder - Musikbrochüre 1970)

Der älteste der derzeitigen Lamadelainer Vereine ist der landwirt­schaftliche Lokalverein, der am 20. April 1890 gegründet wurde.

Ziele dieses Vereins sind gemäss Statuten der gemeinsame Ankauf von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln und Bedarfsgegenständen, die gemeinsame Benutzung von Maschinen und Geräten, die Abhaltung belehrender Vorträge und der Austausch bemerkenswerter Erfahrun­gen.

Je nach der Höhe der Besteuerung waren die Mitglieder in drei Gruppen eingeteilt. Demnach betrugen die Jahresbeiträge 3,75 Fr., 2,50 Fr. resp. 1,25 Fr.

Die Mitgliederzahl stieg ständig, um im Jahre 1909 das Maximum von 48 Mitgliedern zu erreichen, was zugleich das Doppelte des Anfangsbestandes darstellte.

Die Verantwortlichen waren stets darauf bedacht, den Mitgliedern gegen Entrichtung mässiger Taxen die notwendigsten Maschinen, Garten-, Haushalts- und Tierpflegegeräte zu leihen. Sie stellten auch lehrreiche Landwirtschafts-, Viehzucht- und Obstbaubücher zur Ver­fügung. Das Abonnieren des Vereinsorgans „Mitteilungen” war obligatorisch für alle Mitglieder, das Bestellen des Genossenschafts­kalenders fakultativ.

Für das Aufbewahren der Gerätschaften stellte die Gemeindeverwal­tung dem Verein einen Schuppen im alten Schulgebäude gegenüber dem Café Hengen, heute Bahnhofsstrasse Nr. 14, zur Verfügung. Doch wurde in der Generalversammlung vom 7. Dezember 1915 der Bau eines neuen Geräteschuppens beschlossen. Dieser kam in die Providencestrasse in die Nähe des Café Loschetter (heute Café Robert) zu stehen. Zur Verringerung der Baukosten, die sich auf 6.648,— Franken beliefen, verpachteten die Mitglieder gemeinsam die Jagd auf ihren Ländereien (129 Hektar 5 Ar) für sechs Jahre zum jährlichen Preise von 355,— Franken. Verschiedene Mitglieder erklärten sich auch bereit, dem Verein je 500,— Franken zu diesem Zweck zu leihen. Nachträglich erhielt ein Teil des Schuppens einen Betonbelag, und zur Strassenseite hin wurde eine Waage für Fuhrwerke angelegt. Lange Jahre beherbergte der Bau auch die Löschgeräte der Feuerwehr.

Im Jahre 1951 musste dieser Schuppen dem Anlegen eines Kirmes­platzes weichen. Als Ersatz bot die Gemeindeverwaltung dem Lokal­verein einen Raum unter dem Festsaal der neuen Schule in der Providencestrasse an. Dieses Anerbieten lehnte der Vorstand jedoch mit der Begründung ab, dass dieser Platz zu klein sei.

Daraufhin wurden die Gerätschaften in einem Schuppen in der Berg­strasse Nr. 40 untergebracht, wo sie sich noch heute befinden.

Den Schlüssel des Schuppens bekam der Geräteverwalter. Dieser hatte oft seine liebe Mühe, allen Wünschen gerecht zu werden. Bei günstigem Frühjahrswetter war beispielsweise die Drillmaschine so sehr gefragt, dass die Benutzung derselben auf Vierteltage berechnet wurde.

Schwierigkeiten führten zum Verbot vom 27. Dezember 1923, Geräte an Nichtmitglieder auszuleihen. Diese drastische Massnahme wurde jedoch zwei Jahre später in dem Sinne abgeändert, dass Nicht­mitglieder doppelte Taxen zahlen mussten.

Der Schriftführer besorgte die Sammelbestellungen von Saatgut, Kunstdünger und Maschinenöl, nach dem Ersten Weltkrieg auch von Hausbrand (Braunkohlen und Briketts).

Am 31. März 1919 verlangten die Mitglieder einstimmig den wirt­schaftlichen Anschluss an Frankreich. Eine diesbezügliche Resolution wurde an die Oberbehörde abgesandt. Das Referendum vom 28. September 1919 (60.133 Stimmen für Frankreich und 22.242 für Belgien) bekräftigte diesen Wunsch. Und doch wurde nach heftigen Debatten in der Abgeordnetenkammer ein Wirtschaftsabkommen mit Belgien abgeschlossen (25. Juli 1921).

Während der Evakuationszeit zu Beginn des Zweiten Weltkrieges (Mai—Juni 1940) wurden die Lamadelainer Bauern schwer durch die Kriegsereignisse getroffen. Bei ihrer Rückkehr in die Heimat bot sich ihnen ein trostloses Bild: Speicher und Scheunen waren ausgeräumt, die Grasflächen waren abgeweidet bezw. abgeerntet, Unkraut über­wucherte die jungen Kartoffelpflanzen und die Runkelrübenfelder konnten wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit nicht mehr bestellt werden. Die Folge davon war eine grosse Futter- und Strohknappheit. Ein Jahr später, am 12. September 1941, beschloss der Lokalverein, als Schadenersatz beim Landesernährungsamt in Luxemburg die Erlassung der Ablieferungspflicht von landwirtschaftlichen Produkten für das Jahr 1941 zu erwirken.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Aktivität des Vereins stark zurück, da sich die Bauern infolge der Mechanisierung in der Land­wirtschaft eigene Maschinen anschaffen mussten.

In diesem Jahr (1970) kann der landwirtschaftliche Lokalverein auf ein 80jähriges fruchtbares Wirken zurückblicken. Wenn er auch in den letzten Jahren an Bedeutung eingebüsst hat, so erfüllte er doch früher, als das Geld knapp war, eine recht soziale Aufgabe.