Napoleon

15.08.1769 05.05.1821

Rollingen unter der französischen Republik

1789: Am 14. Juli 1789 begann in Paris die franz. Revolution mit dem Sturm auf die Bastille. Im Frühjahr 1794 überfielen die republikanischen Armeen unsere Gegend. Dabei wurde Niederkerschen am 23. Mai zur Hälfte eingeä­schert. Wie es in Rollingen zuging, ist nicht überliefert. Dem Bericht, dass die Kapelle von den franz. Truppen aufgebrochen und ihr Mobiliar zer­schlagen worden ist, muss mit Vorsicht begegnet werden. Trotzdem wird der Durchzug einer Eroberungsarmee für die üblichen Ausschreitungen gesorgt haben.

 

Vor dem Einmarsch der Franzosen hatte sich die Rollinger Gemeinschaft am 14. März 1794 versammelt, um eine folgenschwere Entscheidung zu tref­fen. Der Bauer Jean Dominique Ney gab bekannt, dass er im Namen seines Onkels Franz Ney, Priester, wohnhaft in Luxemburg, der Gemeinde eine Stiftung machen möchte im Werte von 613 Talern, 4 Schillingen und 4 Stü­bern, jeden Taler zu 56 Stübern gerechnet. Dieses Kapital bestünde aus 8 Obligationen und erbrächte eine jährliche Rente von 35 Talern, 5 Schillin­gen und 3 Stübern. Von dem Geld dieser Rente sollte monatlich eine Messe für den Stifter und dessen Eltern gelesen werden ; vom Rest würde der Leh­rer bezahlt werden, damit er die Rollinger Kinder gratis unterrichtete. Pfar­rer Felten riet seinen Pfarrkindern diese Stiftung anzunehmen, was diese auch taten (***Kiirfech an Parking François Ney)

 

Das Kapital dieser Stiftung wurde von den republikanischen Behörden der Petinger Gemeindekasse überwiesen. Und so konnten die Rollinger Schul­kinder unentgeltlich zur Schule gehen, bis das Schulgeld abgeschafft wurde.

 

In der Zwischenzeit amtierte der Kaplan P. Hennes nicht mehr in Rollingen. Am 25. Februar 1791 quittierte er noch seinen Lohn für das Jahr 1790. Dann schweigt das Rechnungsregister über ihn. Die Abrechnung vom 1. März 1792 unterschrieben der Pfarrer und der Kaplan von Aubange. Letzterer amtierte als Küster der Pfarrei. Das Protokoll der Stiftung Franz Ney ist von Pierre Hansel aus Differdingen unterschrieben, welcher zu derZeit den Got­tesdienst in Rollingen versah. Ausser diesem Dokument wissen wir nichts über seine Tätigkeit. Die Abrechnungen vom 26. Februar 1793 und 1794 sind nur von Pfarrer Felten signiert.

 

Doch im Laufe des Jahres 1795 kam ein neuer Kaplan in die Ortschaft, Fran­cois Eydt. Am 26. Februar 1796 quittierte er seinen Lohn für das vergangene Jahr. Dieses brachte für die Rollinger Christengemeinde eine weitere Ver­änderung. Am 31. März 1795 nämlich verkaufte die Gemeinschaft das alte Kaplanshaus für 100 Taler zu je 56 Stübern an das Ehepaar Pierre Hansel-Barbara Thomes aus DifFerdingen. Das Geld diente zum Bau einer neuen Wohnung für den Ortsgeistlichen. Noch am gleichen Tag erwarb die Gemeinschaft einen Platz mit Obstgarten für 12 Louis d’or (jeder zu 5 Taler gerechnet) und 2 Straussentaler zu je 72 Stübern von dem Eigentümer Franz Thill „zu erbauung eines zeithlichen hern Capelans hausz indeme voriges zu klein, wegend der schull, und unbequämlich”. Das neue Kaplanshaus wurde noch im gleichen Jahr erbaut. Es steht heute noch gegenüber der Kirche (Grand-Rue 1) und trägt über der Haustür die Jahreszahl MDCCLXXXXV (1795). Nach dem Bau des heutigen Pfarrhauses diente es als Lehrerwohnung.

 

Zur gleichen Zeit belagerten die franz. Truppen die Festung Luxemburg, welche sich am 7. Juni 1795 ergab. Am darauffolgenden 1. Oktober wurde das Herzogtum Luxemburg der Französischen Republik als Wälderdepartement einverleibt. Von da an galten die von Paris erlassenen Gesetze, auch was die Kirche anbelangte. So verlangte das Gesetz vom 28. September 1795 von jedem Geistlichen, der ein Amt ausübte, den Treueid auf die Republik. Obwohl das erzbischöfliche Ordinariat von Trier den Huldigungseid für zulässig erklärte, weigerten sich doch 75 % der Luxemburger Geistlichen ihn zu leisten. Am 5. September 1797 verschärfte das Direktorium den Staatseid mit dem Zusatz, Hass dem Königtum zu schwören. Am 26. Oktobr 1797 wurde das Dekret erlassen, alle Pfarrhäuser, Güter und Kirchen zu beschlagnahmen, in denen ein ungeschworener Priester amtierte.

 

😂🤣Der Rollinger Kaplan hatte ebenfalls den Eid verweigert. Laut Verordnung vom 3. Dezember 1797 sollte die Rollinger Kirche unter Sequester gestellt werden. Am 11. Dezember erschien der Kommissar für Sequesterangelegenheiten Hartman in der Ortschaft und begab sich zu Franz Schuweiler, dem Adjunkten der Gemeinde Petingen. Der Agent (= Bürgermeister) Franz Thill war abwesend. Schuweiler erklärte dem Kommissar, dass vor drei Tagen die Kapelle ausgeräumt worden war. Er hätte dem Agenten Thill bericht darüber erstattet. In der Tat war gute Arbeit geleistet worden : in der Kirche fand der Kommissar nur mehr einen kupfernen Weihwasserkessel, der an der Kirchentür befestigt war, den Deckel eines Weihrauchfasses und eine zerbrochene Messdienerklingel. Die Sakristei war leer, die Glocke verschwunden. Hartman schloss die Kapelle ab und übergab Schuweiler den Schlüssel. Anschliessend gingen sie zum Vikar. Kirchenregister hätte er nicht, diese wären von den Franzosen zerstört worden. Der Kommissar ord­nete an, dass Vikar Eydt binnen drei Tage das Kaplanshaus zu verlassen hätte und Schuweiler den Schlüssel aushändigen sollte. Daraufhin begaben sie sich zum Kirchenmomper Henri Lippert. Dieser erklärte, er hätte keine Rechnungsbücher. Er glaubte, der Pfarrer von Küntzig müsste sie haben. Er wüsste es nicht genau, da er erst zweieinhalb Jahre im Dorf wohnte. Endlich verliess Hartman Rollingen.

 

Zu dem Vorigen muss man bemerken, dass man dem guten Kommissar einen schönen Bären aufgebunden hatte. Rollingen hat nie zur Pfarrei Künt­zig gehört, sondern zu Aubange. Lippert war auch nicht der Kirchenmom­per; er konnte demnach keine Rechnungsbücher haben. Der Agent Franz Thill hatte wohl die Ankunft des Kommissars ausfindig gemacht und die Rollinger gewarnt. Diese hatten dann alles aus der Kirche weggetragen, was nicht festgenagelt war. Der Adjunkt Schuweiler stelle sich dumm und führte Hartman zu dem falschen Verantwortlichen.

 

Doch auch Hartman schien das Ganze nicht geheuer gewesen zu sein. Hatte jemand ihm zugeflüstert, dass die Rollinger ihn an der Nase herumgeführt hatten? Wie dem auch sei. Am andern Tage, dem 12. Dezember 1797, erschien Hartman urplötzlich in der Ortschaft. Er ging zum wirklichen Kir­chenmomper Nicolas Thill, welcher ihm das Rentenregister der Kapelle aus­händigen musste. Die andern Bücher wären von den franz. Truppen bei ihrem Durchzug zerrissen worden. Dieses Rentenregister befindet sich heute im Rollinger Pfarrarchiv. Dann begab sich Hartman zum Agenten Franz Thill. Als sie zur Kapelle kamen, war diese offen und das Schloss ver­schwunden. Der Kommissar stellte Thill zur Rede, doch dieser wusste nichts von einem Schloss und einem Schlüssel. Der Adjunkt Schuweiler aber schien wie vom Erdboden verschwunden. Hätte der Republikaner Hartman an Wunder geglaubt, so wäre er bestimmt gläubig geworden. Vor ihm stand eine völlig eingeräumte Kapelle.

 

Hier der Originalbericht der beschlag­nahmten Sachen:

Dans la sacristie en ornements et habillements sacerdotale huit chasubles toute tres mauvaise une seulement bonne, neuf etolle bonne, huit manipules, huit bourses, sept voille ; En linge trois nappes d’autel deux tres mauvaises et de grosse toille l’autre est fine et garnie de grosse d’entelle, neuf corporaux, un vieil essui main et un vieux surplis, deux soutane noir dont une d’enfant de choeur trois collet bleu d’enfant de choeur, trois voile de baumier dont une mauvaise un paquet de vieille doubleure.

En ustenciles : un cul de lampe avec son couvercle et son porte meche en cuivre jaune, deux chanderlier de cuivre jaune, une croix de cuivre jaune, deux burettess d’etain, un missel et un pour la messe des morts, une cloche de petite grandeur garnie de sa corde.

 

Die beschlagnahmten Sachen wurden zu einem Paket verschnürt und versiegelt. Dieses wurde zwecks Aufbewahrung zum Hause von Schuweiler getragen. Am späten Abend hatten also die Rollinger ihre Kapelle wieder eingeräumt, aber nicht mit der Hartnäckigkeit des Kommissars gerechnet. Franz Thill blieb nicht lange Agent der Gemeinde Petingen. Er wurde durch den Rodinger Nicolas Gloutin ersetzt. Schuweiler blieb Adjunkt. Am 12. Juni 1798 bezeichnete Kantonskommissar Umhoefer von Niederkerschen den Rodinger als ränkesüchtig und fahrlässig, den Rollinger als unwissend und fanatisch (im Sinne von gut katholisch). Er sollte abgesetzt werden.🤣😂

 

Das Ende der Rollinger Christengemeinde schien gekommen zu sein : ihre Kapelle war geschlossen, die Kirchensachen beschlagnahmt, die Güter kon­fisziert. Doch so schnell gaben der Kaplan und seine Pfarrkinder nicht auf. Eydt musste trotzdem seinen Dienst verrichtet haben. Um der widerspen­stigen Geistlichen Herr zu werden, beschloss die republikanische Verwal­tung am 4. November 1798 die ungeschworenen Priester zu verhaften und nach Amerika resp. den Inselnund Oleron zu deportieren. Bereits am 11. November erschienen die Niederkerschener Gendarmen um Eydt festzunehmen. Sie fanden aber nur seine Haushälterin vor. Diese sagte aus, der Kaplan wäre nicht zu Hause. Alles Suchen half nichts. Auch der Bürger­meister bestätigte, dass der Kaplan bereits seit mehreren Tagen verschwun­den wäre. In seinem Versteck überlebte Eydt die Verfolgungswelle.

 

Am 9. November 1799 riss Napoleon die Macht an sich. Durch seine Beschlüsse wurden im folgenden Jahr die Kirchen wieder geöffnet sowie die verhafteten und deportierten Geistlichen frei gelassen. Am 23. Januar 1800 war in Niederkerschen das Mobiliar der geschlossenen Kirchen des Kantons versteigert worden. Nik. Schuweiler hatte die Rollinger Altäre und Kirchen­bänke für 5 Franken ersteigert. Er schenkte sie nachher der Kirche. Kaplan Eydt konnte sein Versteck verlassen und den normalen Gottesdienst wieder aufnehmen bis zu seinem Tode am 20. April 1802. Er war nur 44 Jahre alt geworden.