Déi Rollénger vergiessen hir Verstuerwen net

Photo aus der Brochur - Monuments Commémoratifs dans la Commune de Pétange


Dies ist ein Versuch die weltliche und kirchliche Geschichte von Rollingen chronologisch zusammenzufügen.


Lamadelaine – Rollingen - Rolléng

Der luxemburgische Name Rolléng, deutsch Rollingen, stammt, so Joseph Meyers, aus der Zeit der Völkerwanderung. Nachdem die Siedlung auf dem Titelberg aufgegeben worden war, liessen sich im 5. Jahrhundert germanische Stämme im Korntal nieder. Es entstanden Rollingen, Rodingen, Petingen, Differdingen.

 

Diese Ortschaften besitzen die gemeinsame Endung -ingen, - éng, - ange. Diese deutet einen Besitz an und heisst: Ort des ... Gewöhnlich steht als Vorsilbe ein Personennamen.

 

Im Falle von Rollingen ist es Rodilo. Rodilingen war demnach der Ort, an dem sich die Sippe des Rodilo nieder-gelassen hatte. Aus dem frühen Rodilingen ward das heutige Rollingen.

 

Wie aber kam es zum französischem Namen Lamadelaine? Warum enstand nicht die Form „Rollange” wie bei Rodingen und Petingen? Nun diese letzte Schreibweise hat es tatsächlich in französisch verfassten Urkunden gegeben : 1442 Roldenges, 1612 Roldange. Warum setzte sie sich nicht durch?

 

Die Erklärung liefern einige Dokumente um die Wende des 16. und 17. Jahrhun­derts. In vier Lehnserklärungen der Herren von Nödlingen aus den Jahren 1599, 1612, 1628 und 1665 zählen diese ihre Barer Lehen auf, unter anderen auch im Ort genannt „Rodange La Magdalaine“. Die Identifizierung bereitet keine Schwierigkeit, erklärt doch am 19. Mai 1612 der Herzog von Lothringen und Bar, dass er den Herren von Nödlingen u.a. den Ort Roldange dict la Magdelaine zu Lehen aufgetragen habe. In beiden Fällen handelt es sich zweifelsohne um die gleiche Ortschaft, nämlich um Rollingen. Der Schreiber der Urkunde von 1599 hatte einen Kopierfehler gemacht, und seine Nachfolger übernahmen diesen Fehler.

 

Rodange La Madelaine und Roldange gehörten zur Propstei Longwy im Herzog­tum Bar. Beide Orte mussten Kriegssteuern an ihren Landesherrn zahlen. Da die ortsfremden, französisch spechenden Einnehmer von Longwy, welche in ihren Konten zwischen Rodange und Roldange unterscheiden mussten versteht man nun, dass schon aus rein verwaltungstechnischen Gründen ein anderer Name gefunden werden musste. Warum es Rollingen traf, kann nur vermutet werden.

 

Warum hat die Kapellenpatronin von Rollingen ihren Namen für die französische Form hergegeben? War etwa die Rollinger Kapelle „berühmter” als diejenige von Rodingen? Im Visitationsbericht von 1714 wird erwähnt, dass Rollingen Reliquien der hl. Magdalena besass. Wie lange waren diese schon im Besitz der Kapelle? Waren es etwa diese Reli­quien, welche Büsser und Geplagte anzogen und die Rollinger Kapelle bekannter machten, oder nahm man als Vergleich die andern Lamadelaine-Ortschaften in Lothringen?

Alles Fragen, auf die es keine Antworten mehr gibt.

 

Da es jedoch zu dieser Zeit keine feste Orthographie gab wurden etliche verschiedene Schreibweisen angewendet. Hier einige zeitlichen Schreib- und Nennkostproben:

 

1599      La magdelaine

1612      la Magdelaine

1668      la madelaine

1714      Ste Magdeleine

1714      La Magdalene

1737      La Magdelene

1753      La Madelaine

1772      magdeleine

1770      la Madeleine

1809      la madelaine

1985      Lamadelaine

 

 

Eins steht fest: der französische Ortsname hat sich durchgesetzt und den luxemburgichen fast verdrängt.